Stol­per­stei­ne in Bad Salz­uflen

Zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

Die Stolpersteine sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig. Mit diesen kleinen Gedenktafeln soll an das Schicksal der Menschen erinnert werden, die während des Nationalsozialismus ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden.

Die Stolpersteine sind kubische Betonsteine mit einer Kantenlänge von zehn Zentimetern, auf deren Oberseite sich eine individuell beschriftete Messingplatte befindet. Sie werden in der Regel vor den letzten frei gewählten Wohnhäusern der NS-Opfer niveaugleich in die Pflaster der Gehwege eingelassen. Die seit 1995 mittlerweile über 35.000 verlegten Steine finden sich nicht nur in Deutschland, auch in anderen europäischen Ländern hat das Projekt Fuß gefasst.

Nach diversen Debatten und Diskussionen hat sich der Bad Salzufler Stadtrat am 3. Februar 2010 mit großer Mehrheit für diese Art des Gedenkens an die Opfer der Nazis ausgesprochen.

Gunter Demnig verlegte im November 2010 in Salzuflen und Anfang Dezember 2011 im Ortsteil Schötmar insgesamt mehr als sechzig Stolpersteine.  

Stolpersteine in Salzuflen

Stolpersteine in Schötmar

Hier wohnte Kurt Andermann (*1919), einer der Söhne der Kaufmannsfamilie Andermann, die hier ein 1913 gegründetes Hutgeschäft führte. Hüte vom Modehaus Andermann bezog sogar der lippische Fürst Leopold IV.
Kurt Andermann flüchtete 1938 in die Tschechoslowakei, wurde 1942 nach Theresienstadt und 1944 nach Auschwitz deportiert. Am 21. Februar 1945 kam er in Schwarzheide, einem Außenlager des KZ Sachsenhausen zu Tode.

Die sieben hier verlegten Stolpersteine erinnern an Rebekka Berger (* 1858; geb. Holländer), Richard (* 1891) und Lina Hamlet (* 1889; geb. Berger), Besitzer des Hauses Hamlet, sowie Günther, Herbert, Max und Werner Stamm, die in Auschwitz bzw. Theresienstadt ermordet wurden.

Im Haus Nr. 11 wohnte Siegfried Klarbach (* 1872).
Er wurde 1942 nach Theresienstadt deportiert und dort am 2. September desselben Jahres ermordet.

Siegfried Obermeyer (* 1883), Amalia (* 1895 in Münster; geb. Scheiberg) und Ernst (* 1920) entstammten einer der bis 1933 angesehensten Familien der Stadt, die seit 1900 ein 1858 gegründetes Haushalts- und Eisenwarengeschäft im Haus Lange Straße 39/41 betrieben.
Der 1618 errichtete, dreigeschossige Fachwerkbau mit zwei Speicheretagen, vierfacher Vorkragung und reichem Rosettenschmuck prägt neben vielen weiteren Gebäuden dieser Art das Salzufler Stadtbild. Neben seiner Geschäftstätigkeit war Siegfried letzter Vorsteher der Jüdischen Synagogengemeinde Bad Salzuflens.
Die Schließung der Haushaltswarenhandlung Obermeyer wurde am 12. November 1938 zum Ende des Jahres angeordnet. Erst danach entschlossen sich die Familien Deutschland zu verlassen.
Sie wurden 1940 während ihrer Flucht in Luxemburg verhaftet, Mutter und Vater wurden im Ghetto von Lodz, Ernst im Vernichtungslager Auschwitz ermordet. Nur Sohn Hans (John) (* 1928) überlebte: er reiste mit einem der letzten "Kindertransporte" 1939 von Bad Salzuflen nach England und später weiter in die Nähe von New York in den Vereinigten Staaten. – er finanzierte die drei Stolpersteine für seine Eltern und seinen Bruder.
Ida Stern (* 1890) war die Hausgehilfin der jüdischen Familie Obermeyer.  Sie wurde in Sobibor ermordet.

Hier, am südlichen Rande des Salzhofs, stand bis 1980 das 1512 gebaute Haus ‚Tellmann/Reker‘, in dem Jenny Katzenstein (* 1883) einst wohnte.
später wurde sie nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

David (* 1882) und Julie Berghausen (* 1867; geb. Hecht) gehörten neben Elise Hecht sowie Richard und Lina Hamlet zu den letzten fünf noch in Salzuflen lebenden Juden.
David und Julie Berghausen wurden 1942 nach Theresienstadt deportiert und dort ermordet, David am 22. Januar 1943, seine Frau am 7. Juni 1944.
Die aus Rehburg zugezogene Anna Stern (* ~1905, geb. Blumenthal) wohnte 1939 nur drei Wochen in Bad Salzuflen, zunächst in der Oberen Mühlenstraße, dann in der Langen Straße 41. Später lebte sie im schlesischen Ratibor; von hier wurde sie nach Auschwitz verschleppt und dort ermordet. – Die evangelisch-reformierte Kirchengemeinde Bad Salzuflen hat die Patenschaft für den „Stolperstein Anna Stern“ übernommen.

Im Haus Nr. 46 wohnten Erna Spanner (* 1892; geb. Lipper) und Frieda Vorreuter (* 1885).
Erna Spanner wurde 1942 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet; Frieda Vorreuter wurde nach Theresienstadt transportiert und dort am 19. August 1942 ermordet.

Hier lebte von 1933 bis 1935 die Familie Aschenbrand: der Kaufmann Julius Aschenbrand, seine Frau Bertha (* in Herford; geb. Hecht) und ihr gemeinsamer Sohn Gerd Adolf (* 1. März 1935 in Schötmar). Der aus Frankfurt stammende Julius emigrierte 1935 in die Niederlande, wurde dort 1942 in das Internierungslager Westerbork und von dort 1944 nach Theresienstadt verschleppt. Seine Frau Bertha zog nach dem Wegzug ihres Mannes zurück nach Herford zu ihrer Familie. Sie hat den Holocaust überlebt und 1956 einen Antrag auf Wiedergutmachung gestellt. Ob der Sohn den Holocaust überlebt hat, ist nicht bekannt.

Das Ehepaar Max und Selma Kornberg musste aufgrund des „Gesetzes über Mietverhältnisse mit Juden“ im September 1939 in das „Judenhaus Lange Straße 41“ (Obermeyer) umziehen. Von dort aus wurden sie am 31. März 1942 über Bielefeld in das Ghetto Warschau deportiert.
Selma Kornberg verstarb im KZ Treblinka, ihr Mann Max wurde am 3. November 1943 in Trawniki bei Lubin ermordet. Ihr gemeinsamer Sohn Hans (* 14. Januar 1928) konnte vier Tage vor seinem elften Geburtstag mit dem Zug zu seinem Onkel in Yorkshire in Großbritannien emigrieren.

In diesem Haus hat die Familie Silberbach gelebt: der Viehhändler Salomon Silberbach (* 1875 in Schötmar), seine Ehefrau Rosa (* 1886 in Achim; geb. Anspacher) und ihre gemeinsame Tochter Hildegard (* 1912; verheiratete van der Wijk). Salomon betrieb im Haus eine Viehhandlung, die 1911 von seinem Vater Herz Silberbach (1844–1921) gegründet worden war. Auf Grund der andauernden Hetze der Nationalsozialisten gegen jüdische Händler blieben die Kunden aus, so dass der einst florierende Betrieb am 27. Juni 1938 geschlossen werden musste. Acht Monate später, am 21. Februar 1939, flohen Salomon und Rosa Silberbach in das seit 1940 von der deutschen Wehrmacht besetzte Den Haag in den Niederlanden. Auf Veranlassung der Gestapo wurde den Eheleuten Silberbach am 7. Januar 1941 die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt. Am 26. Januar 1943 wurden die nun staatenlosen Salomon und Rosa in das Durchgangslager Westerbork verschleppt. Von dort erfolgte am 13. April 1943 ihre Deportation in das Vernichtungslager Sobibor. Drei Tage später wurden Salomon und Rosa Silberbach dort ermordet. Die Tochter Hildegard, die bereits am 10. Juni 1938 in die Niederlande geflohen war, wurde ebenfalls, gemeinsam mit ihrem Ehemann Siegfried, nach Sobibor deportiert. Sie wurde dort am 4. Juni 1943 ermordet, ihr Ehemann drei Tage darauf. Auch Martha Hünerberg (* 1884 in Achim; geb. Anspacher) – die ältere Schwester der Rosa Silberbach – und ihr Sohn Kurt (* 1924) lebten in diesem Haus. Gemeinsam mit ihrem Sohn war die Witwe am 18. November 1938 von Neustadt am Rübenberge zugezogen. Beide wohnten nur wenige Monate mit ihren Verwandten unter einem Dach. Am 18. April 1939 zogen sie um nach Hannover. Von dort wurden Martha und Kurt Hünerberg am 31. März 1942 in das Warschauer Ghetto deportiert. Martha Hünerberg wurde im Ghetto ermordet; Kurt Hünerberg wurde von Warschau in das Vernichtungslager Treblinka verschleppt und dort ebenfalls ermordet.Anna Block (* 1885 in Petershagen) gehörte von Mai bis August 1938 zu den Bewohnern des Hauses. Die ledige Hausgehilfin, die zuvor in Herford gelebt hatte, zog am 31. August 1938 nach Minden und wurde im Dezember 1941 von Bielefeld aus in das Ghetto Riga deportiert und dort ermordet.
Die in Schötmar geborene Edith Seligmann (* 1906; geb. Silberbach), gehörte ebenfalls zu den Bewohnern des Hauses Nr. 22. Sie war eine Großcousine des Hausbesitzers Salomon Silberbach und hatte bereits in jungen Jahren ihren Ehemann Werner Seligmann durch einen Unfall verloren. Edith wurde am 8. Juli 1942 über Bielefeld in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert und dort ermordet.

In der zur NS-Zeit noch Bahnhofstraße genannten Eduard-Wolff-Straße wohnte seit dem 15. Dezember 1937 die aus Köln zugezogene Witwe Meta Schneider (* 1891; geb. Nordhäuser). Sie verdiente ihr Geld als Haushälterin bei dem früheren Viehhändler Julius Silberbach. Als dieser im Juni 1939 seinen Wohnsitz nach Emden verlegte, zog Meta Schneider nach Bad Oeynhausen. Sie ist später in eines der Lager im Osten verschleppt und dort mit größter Wahrscheinlichkeit ermordet worden.

Hier, in der Schloßstraße – früher Hindenburgstraße, lebten Henny (* 1868 in Schötmar), Ida (* 1869 in Bolzum; geb. Güdemann) und Max Rosenwald (* 1870 in Schötmar). Im Vorgängerbau des heutigen Hauses betrieben die Rosenwalds ein Haushaltwarengeschäft, das 1904 von Idas Ehemann, Hermann Rosenwald (* 22. Januar 1863, † 10. Juni 1939, beerdigt auf dem Friedhof an der Oerlinghauser Straße), gegründet worden war. Auf Drängen der Nazis mussten die Rosenwalds ihr Geschäft zum Jahresende 1938 schließen. Henny, Ida und Max Rosenwald wurden wohl am 31. Juli 1942 von Bielefeld aus in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert; von dort wurden sie in das Vernichtungslager Maly Trostinez bei Minsk verschoben und dort ermordet. Ihr Todesdatum ist nicht bekannt.
Auch Hans Eichmann (* 1894) und seine in Barntrup geborene Ehefrau Gertrud (* 1902; geborene Katz) wohnten im Haus Nr. 16. Hans Eichmann war als Viehhändler tätig. Die Geschäfte seiner 1932 gegründeten Viehhandlung liefen aufgrund der systematischen Ausgrenzung der jüdischen Bevölkerung nur sehr schleppend. Bereits im Sommer 1937 musste er seine Viehhandlung schließen und arbeitete fortan bei seinem Bruder Bruno (* 1900). Am Morgen des 10. November 1938 wurde Hans Eichmann zusammen mit sechs anderen Männern der Jüdischen Gemeinde Schötmar verhaftet und für mehrere Wochen in das Konzentrationslager Buchenwald verschleppt, aus dem er am 12. Dezember 1938 entlassen wurde. Drei Jahre später, am 13. Dezember 1941, wurde Hans Eichmann von Bielefeld aus in das Ghetto Riga deportiert und dort ermordet. Gertrud wurde im Frühjahr 1942 in das KZ Ravensbrück verschleppt und dort am 3. April 1942 ermordet. Ihre gemeinsame Tochter Susanne (* 1926) konnte gemeinsam mit ihrer Cousine am 11. August 1939 mit einem Kindertransport nach Birmingham entkommen. Sie lebte seit den 1950er Jahren in Südafrika.
Ilse Eichmann (* 1902; geb. Strauss) und ihr Ehemann Bruno lebten seit Sommer 1939 als Untermieter in der Wohnung von Gertrud und Hans Eichmann. Bruno war seit 1925 ebenfalls selbstständiger Viehhändler gewesen. Während des Pogroms, am Morgen des 10. November 1938, wurde er verhaftet und bis zum 12. Dezember im KZ Buchenwald festgehalten. Kurz nach seiner Entlassung erhielt er Berufsverbot: Auf Weisung der Behörden musste er seine Viehhandlung schließen. Bruno und Ilse Eichmann wurden am 13. Dezember 1941 von Bielefeld aus in das Ghetto Riga deportiert. Während Ilse dort den Tod fand, wurde Bruno am 1. Oktober 1944 in das KZ Stutthof bei Danzig überführt. Dort ist er vermutlich ermordet worden. Ihre Tochter Ursula (* 1924) flüchtete nach Birmingham; sie blieb in Großbritannien und gründete dort später eine Familie.
Ella Silberbach (* 1886) und ihre Tochter Margret (* 1930) lebten ebenfalls im Haus Nr. 16. Ella verdiente sich als Hausgehilfin, lebte also in bescheidenen Verhältnissen. Auch sie wurden am 13. Dezember 1941 von Bielefeld aus in das Ghetto Riga deportiert und dort ermordet; ihr genaues Todesdatum ist nicht überliefert.

Im Haus Nr. 18 in der ehemaligen Schlageterstraße wohnten die Witwe Alma Silberbach (* 1869 in Eldagsen; geb. Mannheim) und ihre Tochter Herta (* 1906 in Schötmar). Alma führte hier im Haus ihres Schwiegervaters, dem Schlachtermeister Salomon Silberbach, die Metzgerei ihres verstorbenen Mannes Julius (* 31. Juli 1873, † 30. September 1929, begraben auf dem Friedhof an der Oerlinghauser Straße). Auf Weisung der NS-Behörden musste sie ihr Geschäft zum 31. Dezember 1938 schließen. Herta Silberbach wurde am 31. März 1942 von Bielefeld aus in das Ghetto von Warschau verschleppt, wo sie ermordet wurde. Ihre Mutter Alma wurde am selben Tag über Bielefeld in das Konzentrationslager Theresienstadt verschleppt. Von dort erfolgte ihre Deportation in das Vernichtungslager Maly Trostenez bei Minsk, in dem sie ermordet wurde. Ihr Todesdatum ist nicht bekannt.
Auch Landarbeiter Isaak Weinberg (* 1885 in Silixen) wohnte im Haus Nr. 18. Aufgrund gesundheitlicher Probleme verließ er Schötmar und zog am 29. September 1939 in ein jüdisches Altersheim nach Berlin-Weißensee. Mit großer Wahrscheinlichkeit wurde er von dort in eines der Konzentrationslager verschleppt und ermordet.

Dieses Haus gehörte ursprünglich auch der Familie Silberbach. Hier wohnten die Schwester Julius Silberbachs, Berta Wallhausen (* 1877 in Schötmar), ihr Mann, der Schlachter Moritz (* 1881), der gemeinsame Sohn Günther (* 1920) und Julie Sella Silberbach (* 1879), eine jüngere Schwester Berta Wallhausens. Die 1920 eröffnete Metzgerei mussten sie Ende 1938 auf Grund einer behördlichen Verfügung schließen.
Am 13. Dezember 1941 wurden das Ehepaar Wallhausen und Julie Sella Silberbach über Bielefeld in das Ghetto Riga deportiert und später dort ermordet. Einzig Günther Wallhausen überlebte die Leidenszeit in den Konzentrationslagern: nach einer Odyssee durch mehrere Lager, letzte Station war das Konzentrationslager Stutthof bei Danzig, emigrierte er im Mai 1945 nach Schweden, wo er eine aus Polen gebürtige Jüdin heiratete. Mit ihr zog er später ins australische Sydney; dort verstarb er 1967, im Alter von nur 47 Jahren.
Für wenige Monate wohnte auch Johanna Eichmann (* 1869 in Essen) im Haus Nr. 20. Sie war am 3. Oktober 1938 von Bad Salzuflen aus zugezogen, verließ Schötmar aber am 20. April 1939 schon wieder Richtung Bielefeld in ein jüdisches Altersheim in der Stapenhorststraße. Am 31. Juli 1942 wurde sie in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert und dort am 20. Juni 1943 ermordet.

Berta (* 1899), Else (* 1896), Hedwig (* 1892) und ihr Zwillingsbruder Paul Hamlet (* 1892) waren die vier in Schötmar geborenen Kinder des Kaufmann Max Hamlet. Paul übernahm Mitte der 1920er Jahre die 1911 gegründete Viehhandlung seines Vaters, die er auf behördliche Weisung zum Ende des Jahres 1938 aufgeben musste.
Paul, dessen Ehefrau Anna (geb. Blum) im Juni 1942 in einem jüdischen Krankenhaus in Hannover verstorben war, wurde am 31. Juli 1942 von Bielefeld aus nach Theresienstadt deportiert. Von dort wurde er am 29. Januar 1943, zusammen mit 1.000 anderen Juden, in das Vernichtungslager Auschwitz überführt, wo er ermordet wurde.
Hedwig hatte 1934 im Haus Nr. 22 ein Seifengeschäft mit angeschlossenem Versandhandel gegründet, das zum Jahresende 1938 ebenfalls zwangsweise geschlossen wurde. Sie wurde, gemeinsam mit ihren ebenfalls unverheirateten Schwestern Berta und Else, am 13. Dezember 1941 von Bielefeld aus in das Ghetto Riga deportiert. Dort wurden Hedwig und Else Hamlet ermordet. Berta Hamlet, die seit den frühen 1920er Jahren als Hausgehilfin in zahlreichen jüdischen Familien gearbeitet hatte, wurde am 9. August 1944 von Riga in das Konzentrationslager Stutthof deportiert und dort ebenfalls ermordet.
Auch die Familie Grünewald – Meinhard (* 1878 in Oerlinghausen), seine Frau Sofie (* in Rotenburg an der Fulda; geb. Rotschild) und ihr gemeinsamer Sohn Fritz (* 1905) – zählte zu den Bewohnern des Hauses Nr. 22. Meinhard war ein erfolgreicher Geschäftsmann: Gemeinsam mit Richard Silberbach hatte er 1934 im Haus Krumme Weide 47 in Schötmar eine kleine Celluloidwaren- und Zopfhalterfabrik gegründet, in der zeitweilig bis zu neun Männer und Frauen beschäftigt waren. Der Betrieb musste auf behördliche Anweisung zum Jahresende 1938 geschlossen werden.
Meinhard, Sofie und Fritz Grünewald wurden am 8. Juli 1942 über Bielefeld nach Auschwitz deportiert. Fritz trug dort die Häftlingsnummer 78618. Die gesamte Familie wurde in dem Vernichtungslager ermordet; ihre Sterbedaten sind nicht überliefert.

Der 1895 in Polen geborene Lederhändler Michael Fürst, gehörte seit 1924 zu den Bewohnern des Hauses Nr. 23. Er floh 1935 nach Belgien. Dort wurde er 1940 von deutschen Truppen festgenommen und nach Lippe zurückgeführt. Am 29. Januar 1941 verurteilte ihn das Detmolder Amtsgericht wegen eines angeblichen Devisenvergehens zu einer Haftstrafe von achtzehn Monaten. Nach seiner am 23. Mai 1942 erfolgen Entlassung wurde er in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert und dort ermordet.
Die Kirchengemeinde Bergkirchen hat die Patenschaft für den „Stolperstein Michael Fürst“ übernommen.

Hier wohnte der Viehhändler Julius Silberbach (* 1868 in Schötmar) mit seiner aus Linz am Rhein gebürtigen Frau Pauline (* um 1871; † 1930 in Schötmar, beerdigt auf dem jüdischen Friedhof an der Oerlinghauser Straße; geb. Goldschmidt). Sein kurz nach der Jahrhundertwende gegründetes Viehgeschäft gab Julius Silberbach im Dezember 1935 aus gesundheitlichen Gründen auf. Am 14. Juni 1939 verzog der Witwer nach Emden in ein israelitisches Altersheim. Von dort wurde er 1942 nach Theresienstadt deportiert, wo er ermordet wurde.

Hier, in der Vehrlingstraße, früher als Gartenstraße bezeichnet, lebte seit Mitte der 1920er Jahre die Witwe Berta Cohen (* 12. Februar 1866 in Schötmar; geb. Silberbach). Ihr bereits am 6. Juli 1924 in Schötmar verstorbener Mann, der Schlachtermeister Nathan Cohen (* 14. Februar 1871), ist auf dem Friedhof an der Oerlinghauser Straße begraben worden. Berta Cohen verzog Anfang September 1939 nach Berlin. Von dort wurde sie am 28. Mai 1943 in das Konzentrationslager Theresienstadt verschleppt, wo sie am 13. April 1945 ermordet wurde.

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