Ein Screenshot der Webseite von Bad Salzuflen mit dem geöffnete Eye-able-Menü, © Stadt Bad Salzuflen

Ab so­fort bar­rie­re­frei durchs städ­ti­sche In­ter­net

Klares Zeichen für digitale Teilhabe und Inklusion

Barrierefrei durch das Internet der Stadt Bad Salzuflen. Ab sofort finden Nutzer*innen auf der Website mit den Domains www.stadt-bad-salzuflen.de und www.staatsbad-salzuflen.de ein neues Symbol im oberen rechten Seitenbereich: eine weiß umrandete Figur auf blauem Hintergrund. Die Stadtverwaltung setzt mit der Einführung der „Eye-Able“-Assistenzsoftware ein klares Zeichen für digitale Teilhabe und Inklusion.

Die Startgrafik verweist auf den Einstieg in die Assistenzsoftware „Eye-Able“ der Web Inclusion GmbH aus Margetshöchheim im Landkreis Würzburg. Mit dem Software-Tool werden eine Anpassung der Visualisierung und eine inhaltliche Reduktion ermöglicht sowie eine Individualisierung der gezeigten Inhalte. Ziel ist es, die Benutzerfreundlichkeit zu erhöhen und den Zugang zu Online-Inhalten zu erleichtern oder gar erst möglich zu machen.

Im Gespräch der Stadt Bad Salzuflen

  • Dirk Tolkemitt (Bürgermeister)
  • Stefanie Gräbner (Projektverantwortliche / Stab Strategie, Innovation und Digitalisierung)

Was hat die Stadt Bad Salzuflen bewogen, die Assistenzsoftware „Eye-Able“ einzuführen?

Dirk Tolkemitt: „Digitalisierung ist in unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Während viele Menschen die damit verbundenen Möglichkeiten ausschöpfen, ist das jedoch nicht allen möglich. Barrieren existieren nicht nur in physischen Räumen, sondern auch im Digitalen. Digitale Teilhabe ist daher ein wichtiges Thema. Nun haben wir unsere Website so angepasst, dass diese von allen Nutzerinnen und Nutzern unabhängig von Einschränkungen oder technischen Möglichkeiten verwendet werden kann. Wir waren sofort begeistert von der Möglichkeit der Individualisierung. Was von einem Nutzer als hilfreich wahrgenommen wird, stört den anderen - mit ‚Eye-Able Assist‘ können wir diesen unterschiedlichen Anforderungen gerecht werden.

Zudem ist die Anwendung der Assistenzsoftware denkbar einfach: Jede Anpassung ist unmittelbar sichtbar und kann genauso einfach wieder zurückgenommen werden. Das macht es leicht, die richtige Einstellung für die jeweiligen Bedürfnisse zu finden. Neben den Domains der Stadt Bad Salzuflen und des Staatsbades ist es geplant, sukzessive weitere städtische Domains mit der Assistenzsoftware auszustatten. Und wir werden ebenfalls die PC-Arbeitsplätze unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entsprechend mit der Assistenzsoftware ausrüsten, um die digitale Zugänglichkeit von Inhalten zu verbessern.“

Wer profitiert von digitaler Barrierefreiheit?

Stefanie Gräbner: „Grundlegend profitieren alle Nutzerinnen und Nutzer von zugänglichen Inhalten und barrierefreien Websites. Durch den Einsatz der Assistenzsoftware ‚Eye-Able‘ kann jeder User, der auf die Seite zugreift, die Seiten-Ansicht nach Wunsch anpassen. Dennoch gibt es einige Nutzergruppen, die besonders profitieren - so beispielsweise Menschen mit Seheinschränkungen oder (altersbedingten) (Seh-) Erkrankungen sowie kognitiven Einschränkungen.“

Wie genau funktioniert der Einstieg in die Assistenzsoftware „Eye-Able“?

Stefanie Gräbner: „Die Startgrafik läuft beim Scrollen durch die Websites mit, so dass ein User von jeder Position auf einer Seite ausgehend in die Assistenzsoftware einsteigen kann. Ein Klick auf die Startgrafik öffnet eine Toolbar - diese bietet über 25 Funktionen zur individuellen Anpassung digitaler Inhalte an persönliche Bedürfnisse.“

Welche konkreten Funktionen bietet der Eye-Able-Assistent?

Stefanie Gräbner: „Ein klassischer Anwendungsfall ist die Anpassung der Schriftgröße. Die Assistenzsoftware ermöglicht eine stufenweise Anpassung, ohne den Aufbau der Seite zu verzerren. Darüber hinaus kann der Zeilen-, Wort- oder Zeichenabstand individuell verändert werden, um Texte leichter lesbar zu machen. Ergänzend besteht die Möglichkeit, einen größeren Maus-Zeiger zu aktiveren. Inhalte können auch reduziert werden - so können beispielsweise Bilder ausgeblendet werden, wenn diese beim Lesen von Inhalten als störend wahrgenommen werden. Die Assistenzsoftware verfügt des Weiteren über eine Vorlese-Funktion: Nutzerinnen und Nutzer können sich die gesamte Website vorlesen lassen, sich von Element zu Element bewegen oder sich ausgewählte Abschnitte per Mausklick vorlesen lassen.

Augenschonend für alle Nutzerinnen und Nutzer ist der Blaufilter: Blaues Licht strengt die Augen an, das kann belastend sein. Nach der Aktivierung dieses Filters bekommt das Display einen gelblichen Stich, die Farben wirken weicher und sanfter. Der Blaufilter entlastet somit die Augen bei der Bildschirmnutzung. Alternativ kann der Nachtmodus genutzt werden, er stellt den Kontrast ebenfalls auf ein augenschonendes Niveau ein. Zur Unterstützung von Menschen mit Farbschwäche werden verschiedene Farbfilter zur Auswahl angeboten, wodurch Farbunterschiede besser sichtbar werden. Auch die Kontrastintensität und die Sättigung der Farben kann individuell skaliert werden. Außerdem findet sich die Möglichkeit, gewählte Einstellungen zu speichern, so dass diese bei einem erneuten Aufruf der Website wieder verfügbar sind - die sogenannte Sofortansicht. Wurde eine Einstellung gewählt, deren Ergebnis nicht hilfreich ist, kann jede Einstellung problemlos zurückgesetzt werden.“

Ist die Nutzung kostenfrei?

Stefanie Gräbner: „Ja, die Nutzung ist für alle Nutzerinnen und Nutzer kostenfrei, die Installation einer Software ist nicht erforderlich.“


Über Eye-Able

Digitale Barrierefreiheit ist die Zielsetzung der Web Inclusion GmbH. Das mehrfach ausgezeichnete Start-Up aus dem unterfränkischen Margetshöchheim (Landkreis Würzburg) entwickelt neben seiner Assistenztechnik „Eye-Able Assist“ für Web-Oberflächen auch weitere Softwarelösungen, die Menschen mit Sehbeeinträchtigungen helfen, sich auf Websites besser zurecht zu finden.

Mit „Eye-Able Audit“ kann man den aktuellen Stand der Barrierefreiheit auf einer Website auf BITV/WCAG Konformität prüfen. Die Fehler werden genau markiert und es wird erklärt, wie die Verbesserung vorgenommen werden können. Mit „Eye Able Report“ wird das gesamte System in regelmäßigen Abständen auf WCAG-Konformität gescannt und man erhält einen Überblick über alle Probleme auf der Domain.

Das Unternehmen ist zudem ein ganzheitlicher Anbieter für digitale Barrierefreiheit. Daher bietet das Team neben den „Eye Able Software Services“ auch Tests nach BITV und WCAG sowie Schulungen und Workshops rund um das Thema digitale Barrierefreiheit an.

Hinter der Entwicklung des Software-Tools „Eye-Able“ - auf Deutsch sinngemäß „Augen-fähig“ - stehen die persönlichen Erfahrungen des Geschäftsführers Oliver Greiner mit Menschen mit Behinderungen. Sein bester Freund Lennart, der heute als Usability-Tester zum Team gehört, sieht aufgrund einer genetisch bedingten Sehstörung etwa zehn Prozent. Aus der Vision vorhandene Barrieren, insbesondere auf Websites, abzubauen, ist die Idee zu diesem unterstützenden Softwareprogramm entstanden.

Das Unternehmen Eye-Able arbeitet laut eigenen Aussagen bereits mit mehr als 2000 Städten, Gemeinden, Landkreisen, Bezirken und Verbänden in Europa im Bereich digitaler Barrierefreiheit zusammen. Darunter finden sich beispielsweise das Deutsche Blindeninstitut, die Universität Leipzig und das Ministerium für Arbeit, Gesundheit, Soziales NRW sowie die Tafel Deutschland, der FC St. Pauli oder Unternehmen wie Babor Kosmetik. Die Softwarelösung werde bereits von über 15 Millionen Menschen im Monat genutzt.

 

Artikel vom 31. August 2023